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Das Gesetz des Santiago oder Die Leiden des jungen S.

Es gibt Momente im Alltag, die lassen sich am Besten mit dem Gesetz des Santiago erklären. Das Gesetz des Santiago ist eine Abwandlung von Murphys Law, findet seine Anwendung aber hauptsächlich im Betätigungsfeld der käuflichen Erwerbung von Lebensmitteln und Dingen des alltäglichen Gebrauchs. Das Santiago'sche Gesetz besagt, dass, egal an welche Kasse man sich auch anstellt, genau an dieser Kasse etwas passieren wird, was ein zügiges Bezahlen und Verlassen des Kaufhauses unmöglich macht.

So müssen die Leute vor mir immer meinen, unbedingt was stornieren lassen zu müssen, nur weil sie mal wieder das Preisschild nicht gelesen haben und sich dann weigern, den teuereren, aber korrekten Preis zu bezahlen. Bis der Verkäufer des Monats, der als Anerkennung seiner Dienste den Stornoschlüssel an seinen Bund heften darf, endlich anmarschiert, sind schon mindestens fünf Minuten rum und mindesten dreimal hallte es schon "Storno Kasse 13 bitte".

Gefangen zwischen Suchtmitteln

Da man sich nicht in die Streitigkeiten von kurzsichtigen Kunden und genervten Kassiererinnen einmischen möchte, blickt man sich um und stellt entsetzt fest, man ist gefangen zwischen den ausgewähltesten Suchtmitteln, was gerade jetzt zu Beginn der Bademodenbodyshape-Phase nach den weihnachtlichen Fressorgien, die Qualen noch stärker werden lässt.

Von rechts oben lächelt dich Weinland von Haribo an, mit der Aufschrift "Kein Fett". Die Storck Schoko-Riesen lassen deine Backenzähne knirschen und in Gedanken ertappt man sich dabei, wie man die Überraschungs-Eier schüttelt um vielleicht einmal eines von diesen sagenumwobenen Siebten zu finden. Sanft streichelt die Hand über die diversen Schokoriegel in der Auslage, aber nein, "In vier Monaten ist Badesaison, reiß' dich zusammen".

Die Ankunft des Stornomannes

Nach dem auch das Kaugummisortiment genauestens beäugt wurde, trifft auch endlich der Stornomann ein. Nach einem einigermaßen reibungslosen Geldtransfers des Renterpaares vor mir an der Kasse, freue ich mich schon wie ein Schnitzel in der Friteuse auf einen schnellen Tausch Bargeld gegen Ware. Aber zu meinem Erstaunen macht die Kassiererin keinerlei Anstalten, diese Transaktion tätigen zu wollen. Vielmehr lautet die Devise: Kollegin, übernehmen Sie.

Nun ist das ja heute nicht mehr so, dass man einfach nur das Personal austauscht, was im Grunde genommen ja schnellstmöglich durchzuführen wäre. Ohhhhhhhhhh nein!!!! Es werden die Kassen-Inlays ausgetauscht, Nummer eingetippt, Karten durchgezogen, Zettel unterschrieben, Kassenrollen ausgetauscht. Aber macht ja nix, ich hab ja Zeit und noch die linken Regalseite zu beäugen.

Von dort lächelt einen das Tabakparadies entgegen: Egal ob Roth-Händle, Lucky Strike, Camel, Ernte 23, Gauloise in allen Farben, Marlboro, egal ob in Light oder der Männerversion, mit Filter ohne Filter, Slimline oder doch krass fett, Raucher haben es echt nicht leicht bei dieser Auswahl den richtigen Lungenasphaltierer zu finden.

Wenn der Gemüseflirt vorbeizieht


"Jetzt aber mal Vollgas du olle Kassierbratze, an der Kasse nebenan ist die schnuggelige Brünette mit der ich schon in der Gemüseabteilung zwischen Gurken und Eisbergsalat geflirtet habe." Es könnte alles so schön sein, würde es das Santiago'sche Gesetz nicht geben. Denn während der Warenscanner beim Kunden zuvor noch reibungslos funktioniert hat, gibt er nun keinen Mucks mehr von sich - kein Pieps, kein Zisch, kein Düdeldü oder sonst ein Geräusch, welches von der fehlerfreien Funktion der Apparatur zeugt.

Ein erster Griff der Kassierin geht zum Glasreiniger und Tempotaschentuch - wohin auch sonst, aber niente. Der Scanner glänzt wie ein frischgewachster Babypopo, aber piepsen tut er nicht. Also, runterfahren die Kacke und nochmal rebooten. Schnuggel ist mittlerweile an der anderen Kasse schon fertig und wirft mir noch mal ein süßes Lächeln zu und entschwindet dann. Werde ich sie jemals wiedersehen?

Es kommt, wie es kommen muss

Ich werde aus meine Gedanken vom heißersehnten Piepsen des Scanners gerissen, der endlich funktioniert und den Einkauf in Kürze beenden lässt. Natürlich muss dann kurz vor der Ankunft am Auto der Riemen der Plastiktüte reißen,was zur Folge hat, dass sich meine Äpfel der Sorte Pink Lady über den Parkplatz verteilen und einer natürlich unter dem tiefergelegtesten Auto liegen bleiben muss. Also das eben erworbene Ärmelbügelbrett rausgekramt und fishing for my apple. Nach erfolgreichen apfeln und starten des Motors beginnt nun der Kampf mit dem sozialdarwinistischen Verhalten der Autofahrer auf dem Parkplaz, bei dem jeder Mercedesfahrer denkt, er stünde an der Spitze der automobilisierten Nahrungskette.

Aber mir egal, ich hab zwar nur einen Japaner ,aber dafür Vorfahrt. Eine händische Geste des Mercedesfahrers, die eindeutig nicht als freudiges Abschiedswinken erkannt, lässt mich angesichts meines knurrenden Magens kalt. Es geht nun nach Hause, mit der Erkenntnis, das Gesetz des Santiago trifft irgendwie immer zu.

Danke fürs Reinschauen

21.1.10 23:13

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