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Weihnachtsflirt im Baumarkt

Es ist so an der Zeit, dass man sich selbst eingestehen muss, dass der Sommer in dieser Saison nicht mehr zurückkommen wird. Folgerichtig werden Grill, Sonnenliege, Planschbecken und Bierbankgarnitur in die Garage verfrachtet, denn statt Partyfackeln werden nun die Lichterketten aktiviert.

Ein prüfender Blick in der Werbebeilage des Baumarktes in der Zeitung offenbart nicht nur Lichterketten und Weihnachtskugeln, sondern auch gleich das dazugehörige Aufhängepflänzchen - eine Nordmanntanne für unter 20 Euro,quasi ein Schnäppchen. Zwar ohne grünen Daumen, aber dafür mit umso mehr Elan, geht es also in das X-Mas-Center des Baumarkt meines Vertrauens.

Die längere Suche nach einem Parkplatz und auch die gähnende Leere im Einkaufswagen-Gässlein lässt erahnen, das man nicht der Einzige war, der die Werbebeilage gelesen hat. Als stünde die nächste Sintflut vor der Türe, stapeln sich die weißegäbe es kein Morgen mehr, stapeln sich die um 30 % reduzierten Christbaum-Devotionalien-Kartons mannshoch auf den - unter der Last ächzenden - Einkaufswagen, von denen man nach langer Suche auch noch einen ergattern konnte.

Unfall mit ungeahnten Folgen 


Man ist ja kein Unmensch und die Tanne, die man sich ausgesucht hat, ist auch keine 20 Meter hoch, also begnügt man sich mit drei Kartons Kugeln, die in einer beispielslosen Extrem-Kugel-Bringing-Aktion des Baumarkt-Azubis immer wieder neu aufgestapelten werden.

Und wie das zur Adventszeit so ist, wenn aus den Baumarktbox "Last Christmas" schalmeit und in der Luft liegt der Duft von frischen Maronen und Glühwein, flaniert man Gedankenverloren durch die Weihnachtsabteilung und wirft noch dieses und jenes in den Einkaufswagen.

Bepackt, als würde man das Jesuskind besuchen, versucht man seinen Einkaufswagen, der wie immer vorne rechts ein nicht ganz intaktes Rad hat, so gut wie irgendmöglich durch die Zimmerpflanzenabteilung zu bugsieren, aber einmal nicht aufgepasst und rummmmmmmms.

Schamesröte zwischen den Elefantenfüßen

Nein, man ist natürlich nicht gegen den Ständer mit Fuchsien gedonnert, sondern hat vielmehr eine junge rothaarige Dame an der "Kakteenbar" gerammt, die ihren Halt in eben dieser suchte und das Ganze mit einem "Autsch verflucht" quittierte.

Man spürt ganz deutlich wie einen die Schamesröte ins Gesicht steigt und man am liebsten in den Dschungel aus Bonsais, Benjaminis, Elefantenfüßen und wie das andere Gestrüpp so heißt fliehen möchte.

Natürlich versucht man die Situation zu retten, in dem man mit einem lustigen Spruch das Gespräch sucht, wobei ein "Tut's weh?" nicht gerade der ideale Opener dafür ist. Aber da man nicht nur Schuldiger, sondern auch Gentleman ist, dient man der jungen Dame als Kakteenstachelentferner, welches mit einem anfänglichen Handwegziehen beginnt, aber am Ende doch gerne angenommen wird.

 Ein Kuss der voller Überraschungen steckt

Na also, kaum ein Wort gesprochen und schon der erste Körperkontakt - die Hormone tanzen Macarena, die Synapsen Polonäse. Nach der Entfernung des siebten und letzten Stachels rate ich der jungen Dame, die sich mittlerweile von ihrer netten Seite zeigt, von einem Kauf dieser Kaktee abzusehen, da sie ja keine Stacheln mehr hat. Ein kleiner Scherz am Rande, der mit einem Lachen quittiert wird. Selbiges ist kaum verklungen, da kommt eine ebenso junge, nicht minder attraktive Dame - diesmal blond - des Wegs.

"Was hast du denn schon wieder angestelt?". Eine Frage die eindeutig nicht mir, sondern eher der Rothaarigen galt. Nach kurzer Erklärung der Sachlage kam von Blondie nur: "Du weißt doch, das du mit Männer nix anfangen kannst" gefolgt von einem Kuss voll auf die Lippen. Inmitten von Grünzeugs im Baumarkt kam ich mir plötzlich vor wie auf der Insel Lesbos. Die Hormone stellten das Tanzen ein und auch die Synapsen gingen wieder ihren ursprünglichen Aufgabe nach. Ein kurzes Lächeln noch, dann zogen sie von dannen und ließen mich allein - mich und meine 1,80m Nordmanntanne.

Die steht nun glücklich, frisch geschmückt und verziert im Wohnzimmer und ich steh daneben, alleine, mit klebrigen Fingern und einer Tasse Glühwein. Merry X-Mas.


Danke fürs Reinschauen

8.12.09 11:59

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